Bock auf Bildung!

24.​02.​2026

 

TAH HOLZMINDEN – VON VICKY DÖRRIES

Bock auf Bildung“ nennt das Kollegium der Georg-von-Langen-Schule, Berufsbildende Schulen Holzminden, das Konzept intern. Unter dem Namen „Cool-Flex-Konzept“ wird es nun Schülerinnen, Schülern und Eltern vorgestellt.

Zum zweiten Schulhalbjahr, also ab dem 4. Februar, soll es im zwölften Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums (BG) eingeführt werden, im nächsten Schuljahr dann für das gesamte BG. Das Ziel ist simpel: die Motivation der Schülerinnen und Schüler steigern. Aber wie genau will man das erreichen?

 

Wie muss sich Schule verändern, um den heutigen gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden?“ Diese Frage stellte sich Schulleiter Andreas Hölzchen. Wenn die Schülerinnen und Schüler an seine Schule kommen, haben sie bereits unterschiedliche Bildungswege hinter sich. Sie stehen sozusagen an unterschiedlichen Startpunkten. „Jeder lernt auch unterschiedlich schnell und hat Dinge, die ihm oder ihr besser liegen“, erklärt Hölzchen.

Um dort anzusetzen und niemanden zurückzulassen oder zu unterfordern, wird jetzt am Beruflichen Gymnasium die individualisierte Lernzeit eingeführt.


Das Cool-Flex-Konzept in Holzminden

„Wir haben gemeinsam beschlossen, neue Wege gehen zu wollen – beziehungsweise zu müssen“, betont Hölzchen. Die Schulleitung stand im Austausch mit weiteren Schulen, die das Cool-Flex-Konzept eingeführt haben; jede Schule habe jedoch ihren eigenen Ansatz dabei.

Rund ein Drittel der Lehrkräfte der Georg-von-Langen-Schule hat sich mit der Umsetzung auseinandergesetzt. Etwa ein Jahr haben sie daran gefeilt und es auf ihre Schule angepasst.


So sieht das Cool-Flex-Konzept konkret aus

Im Stundenplan steht dann bei fünf Stunden zum Beispiel „Betriebswirtschaftslehre – flexibles Lernen“. Die Schülerinnen und Schüler können die Stunde nutzen, um selbstständig an einem Projekt aus dem Fach zu arbeiten, erklärt Abteilungsleiter Heribert Döring, der das Konzept leitet und umsetzt. Wenn sie aber gerade an einem Deutsch- oder Englisch-Projekt arbeiten möchten, ist auch das möglich.

Für fachbezogene Fragen oder Unterstützung steht eine Lehrkraft bereit, aber auch gegenseitiges Helfen unter den Lernenden ist möglich.


Individuelles Lernen: Schülerinnen und Schüler bestimmen das Tempo

Die Schülerinnen und Schüler sollen flexibler ihr eigenes Lernen gestalten können. Sie können selbstständig einen Fokus auf das Fach legen, das gerade mehr Aufmerksamkeit fordert oder in das sie mehr Zeit investieren müssen. Das ist nämlich ein entscheidender Punkt bei dem Konzept: Man muss Aufgaben erledigen – aber im eigenen Tempo.

„Man muss nicht auf andere warten“, erklärt Studienrätin Mieke Bischoff. „Die Motivation ist höher, das eigene Lernen voranzutreiben.“

Die sogenannten Assignments (zu Deutsch: Aufgaben oder Aufträge) geben die Lehrkräfte des jeweiligen Fachs vor. Für sie war es die Herausforderung, die Lehrinhalte der Stunden in Projekten unterzubringen. Unterrichtsstunden wie bisher gibt es übrigens weiterhin.

Die teilnehmenden Fächer – je nach Fachrichtung Ernährung, Technik oder Wirtschaft sowie Englisch, Deutsch, Berufliche Informatik und Betriebs-/Volkswirtschaft – stellen jeweils eine Stunde in der Woche für das flexible Lernen zur Verfügung.


Keine Hausaufgaben, sondern eigenständiges Lernen

Mit klassischen Hausaufgaben sei das nicht zu vergleichen, weisen die drei Lehrenden darauf hin. Die Schülerinnen und Schüler müssen auch neue Lerninhalte selbst erarbeiten.

So kann es dabei zum Beispiel um die Gründung eines Start-ups oder die Entwicklung eines eigenen Produkts gehen. Rund vier bis sechs Wochen haben sie dafür jeweils Zeit, und die Zeit können sie einteilen, wie es für sie am besten passt.

Die fünf Stunden in der Woche sind Pflicht; insgesamt werden aber zehn Stunden zur Auswahl angeboten. Im Monat müssen die Schülerinnen und Schüler nämlich 20 Stunden nachweisen.

„Es ist sehr frei auswählbar, wann man sie wahrnimmt“, erklärt Döring. In Anlehnung an das Gleitzeit-Modell im Berufsleben können Schülerinnen und Schüler innerhalb dieser klaren Rahmenbedingungen ihren Unterrichtsbeginn oder -ende teilweise selbst bestimmen.

Unterrichtszeiten ließen sich damit auch besser an die jeweilige Person, zum Beispiel an den Busfahrplan, anpassen. „Damit greift die Schule bewusst Kompetenzen auf, die in Ausbildung und Studium gefordert sind – insbesondere Selbstorganisation und Zeitmanagement“, betont Döring.


Erfahrungen aus einem Testlauf

Eine Art Testlauf hat Bischoff bereits mit einer ihrer Klassen durchgeführt – mit sehr positivem Ergebnis: Die Schülerinnen und Schüler haben einander motiviert und angespornt, Lehrbücher genutzt und eigenständig recherchiert.

„Es war ein anderes Miteinander. Die Leistungen waren deutlich besser“, teilt Bischoff stolz mit.


Ausblick

Zukünftig kann sich die Schule weitere Zusatzangebote vorstellen. Momentan geht es aber darum, die Inhalte zu vermitteln, die Motivation zu steigern und selbstständiges Lernen zu fördern.

 

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